Was ist Magnetangeln?
Magnetangeln – auch Magnetfischen genannt – bezeichnet die Suche nach ferromagnetischen Gegenständen in Gewässern mittels eines starken Neodym-Dauermagneten. Das Hobby verbindet Schatzsuche, Umweltbewusstsein und Abenteuer.
Das Prinzip
Ein Neodym-Magnet wird an einem Seil befestigt und in Gewässer abgesenkt. Ferromagnetische Metalle (Eisen, Stahl, Nickel) haften am Magneten und lassen sich so bergen.
Geschichte
Populär wurde das Magnetangeln ab 2015/2016 – ausgelöst durch Social-Media-Videos. Seitdem wächst die Community stetig. Viele historische Funde stammen aus dem Zweiten Weltkrieg.
Umweltbeitrag
Als ungeschriebenes Ehrengesetz gilt: Alle Funde – auch unbrauchbarer Schrott – werden mitgenommen und fachgerecht entsorgt. So leisten Magnetangler aktiven Beitrag zur Gewässerreinigung.
Was findet man?
Fahrräder, Werkzeug, Münzen, alte Schlösser, Tresorgehäuse, Werkzeug – aber auch Kriegsmunition, Handgranaten und Schusswaffen. Letztere erfordern sofortigen Polizeiruf (110).
Für wen geeignet?
Das Hobby eignet sich für jedes Alter. Kinder sollten stets in Begleitung eines Erwachsenen sein. Grundkenntnisse der Rechtslage und ein verantwortungsvoller Umgang sind Pflicht.
Wichtig zu wissen
Ohne Genehmigung kann das Magnetangeln als Ordnungswidrigkeit geahndet werden – mit Bußgeldern bis zu 500.000 € bei Verstößen gegen Denkmalschutz- oder Naturschutzgesetze.
Schematische Übersicht: Magnettypen
Rechtslage in Deutschland
Die Rechtslage ist föderalistisch geregelt – jedes Bundesland hat eigene Vorschriften. In keinem Bundesland gilt Magnetangeln als genehmigungsfreier Gemeingebrauch der Gewässer. Informieren Sie sich immer vorab.
Das Magnetangeln fällt in der Regel nicht unter den erlaubnisfreien Gemeingebrauch der Gewässer, sondern ist eine genehmigungspflichtige Sondernutzung. Verstöße gegen Denkmalschutz- oder Naturschutzgesetze können mit Bußgeldern bis zu 500.000 Euro geahndet werden.
| Bundesland | Status | Hinweis |
|---|---|---|
| Baden-Württemberg | Genehmigung | Anfrage bei der unteren Wasserbehörde (Landratsamt) vorab erforderlich; Denkmalamt informieren. |
| Bayern | Genehmigung | Grabungen/Bergungen in Wiesen und Wäldern verboten; Denkmalamt kontaktieren. |
| Berlin | Unklar | Weder explizit erlaubt noch verboten; aufgrund vieler Kampfmittel im Untergrund wird es stark abgeraten. |
| Brandenburg | Eingeschränkt | Keine speziellen Regeln, jedoch an bestimmten Orten verboten; Landesamt vorab befragen. |
| Bremen | Verboten | Grundsätzlich untersagt aus Denkmalschutzgründen. |
| Hamburg | Genehmigung | Genehmigungspflichtige Sondernutzung; zusätzlich Erlaubnis des Gewässereigentümers erforderlich. |
| Hessen | Genehmigung | Vorab bei der zuständigen Behörde anmelden; Denkmalschutzgesetz beachten. |
| Mecklenburg-Vorpommern | Eingeschränkt | Keine einheitliche Regelung; Genehmigung je nach Gewässer empfehlenswert. |
| Niedersachsen | Eingeschränkt | Genehmigung empfohlen; Naturschutzgebiete und FFH-Gebiete strikt meiden. |
| Nordrhein-Westfalen | Genehmigung | Klare Genehmigungspflicht; Naturschutzbehörde der Gemeinde kontaktieren. Ohne Genehmigung: Ordnungswidrigkeit. |
| Rheinland-Pfalz | Eingeschränkt | Genehmigung empfohlen; Denkmalschutzgesetz gilt auch für Unterwasserfunde. |
| Saarland | Eingeschränkt | Keine spezifische Regelung; Genehmigung vorsorglich einholen. |
| Sachsen | Genehmigung | Genehmigungspflichtig; Denkmalschutzbehörde kontaktieren. |
| Sachsen-Anhalt | Verboten | Grundsätzlich untersagt; Sondergenehmigung möglich, aber aufwendig. |
| Schleswig-Holstein | Verboten | In landeseigenen Gewässern grundsätzlich verboten; Sondergenehmigung + Eigentümererlaubnis nötig. |
| Thüringen | Genehmigung | Genehmigung beim Denkmalschutzamt zwingend erforderlich. |
- Funde bis zu einem Wert von ca. 10 Euro können behalten werden (BGB § 965 ff.).
- Wertvollere Funde müssen beim Fundbüro abgegeben werden.
- Historische Gegenstände mit Denkmalwert müssen der Denkmalschutzbehörde gemeldet werden.
- Waffen und Munition dürfen unter keinen Umständen mitgenommen werden – sofort Polizei (110) rufen.
Genehmigungsprozess – Schematischer Ablauf
Fundträchtige Orte
Die Grundregel lautet: Viele Menschen = viele Funde. Orte mit hoher historischer Aktivität und starker Frequentierung bieten die besten Chancen. Tiefes, trübes Wasser ist dabei besser als flaches, klares.
Stadtbrücken
Bester Fundort überhaupt. Fahrräder, Waffen, Messer, Geldbörsen, Schusswaffen – von Brücken werfen Menschen Dinge ins Wasser. Alte Brücken sind besonders lohnend.
Stadtkanäle
Städtische Kanäle sammeln seit Jahrzehnten Gegenstände. Besonders an Schleusen, Anlegestellen und alten Industriestandorten sind die Funde dicht.
Hafenanlagen
Alte Hafenanlagen und Anlegestellen bieten durch jahrzehntelangen Schiffsverkehr eine hohe Funddichte. Werkzeug, Ankerketten und historische Gegenstände.
Historische Flüsse
Flüsse an alten Handelswegen oder nahe historischer Schlachtenfelder. Alte Karten helfen, frühere Brückenstandorte und Furten zu identifizieren.
Baggerseen
Stadtseen und Baggerseen enthalten oft Fahrräder, große Gegenstände und gestohlenes Gut. In der Nähe von Wegen und Parkplätzen erhöht sich die Chance.
Alte Mühlenstandorte
Ehemalige Mühlenstandorte an kleinen Bächen und Flüssen. Mühlräder, Eisenbeschläge und historisches Werkzeug. Recherche in Ortsarchiven lohnt sich.
Industriebrachen
Ufer nahe ehemaliger Industrie- und Fabrikstandorte. Werkzeug, Maschinenteile und Eisenkonstruktionen. Genehmigung des Grundstückseigentümers zwingend nötig.
Ländliche Brücken
Ruhigeres Angeln, weniger Funde als in Städten. Dafür idyllisch und entspannend. Alte Landbrücken an historischen Handelsstraßen können überraschende Funde bergen.
Vergleichen Sie alte Landkarten mit Google Maps – ehemalige Brückenstandorte, Furten und verschwundene Kanäle sind auf alten Karten oft erkennbar. Ortsarchive und Bibliotheken bieten weitere Hinweise auf historische Aktivität an Gewässern.
Fundchancen nach Gewässertyp – Schematisch
Die richtige Ausrüstung
Wenige, aber hochwertige Gegenstände machen den Unterschied. Das Wichtigste ist der Magnet – er sollte zur geplanten Aufgabe passen. Sparen Sie nicht an Seil und Handschuhen.
Neodym-Suchmagnet
Das Herzstück Ihrer Ausrüstung
- Einsteiger: 150–250 kg Haftkraft – ideal für den Start
- Fortgeschrittene: 400–600 kg für schwere Objekte
- Magnettypen: Einseitig (Brücken), Zweiseitig (Ufer), 360° (Allround)
- Größe: 70–100 mm Durchmesser als guter Richtwert
- Niemals einen stärkeren Magneten wählen als nötig – Lösbarkeit beachten!
Seil / Leine
Die Verbindung zum Fund
- Material: Polypropylen (PP) – wasserabweisend, robust, verrottungsresistent
- Länge: 15–20 m Standardlänge; für hohe Brücken mehr
- Durchmesser: 8–10 mm – flexibel und gut knotbar
- Zugkraft: Mindestens gleich wie die Magnetkraft
- Regelmäßig auf Schäden durch Scheuern an Kanten prüfen!
Schutzhandschuhe
Unverzichtbarer Schutz
- Material: Schnittfest + wasserabweisend (z.B. Leder/Synthetik)
- Schutz vor Schnittverletzungen durch rostiges, scharfes Metall
- Nicht zu dick wählen – Haptik beim Einzug des Magneten wichtig
- Normale Arbeitshandschuhe aus dem Baumarkt sind meist ausreichend
Transportbox
Sicherer Transport des Magneten
- Robuste Kunststoff- oder Holzbox mit Abstandshaltern
- Verhindert unkontrolliertes Anziehen an Metallgegenständen
- Schützt Auto, Werkzeug und andere Magnete vor versehentlichem Kontakt
- Separates Fach für Seil und Handschuhe sinnvoll
Greifhaken / Entfernungsstab
Nützliche Ergänzung
- Ideal zum Einholen großer Funde an der Wasseroberfläche
- Hilfreich zum Lösen des Magneten von Hindernissen
- Teleskopstab mit mind. 1,5 m Länge empfohlen
- Kann auch als Sicherungspunkt für das Seil dienen
Reinigung & Extras
Pflichtzubehör für jeden Ausflug
- Eimer / Tüten für gefundenen Schrott – alles mitnehmen!
- Bürste zum Reinigen der Funde direkt vor Ort
- WD-40 oder Öl zum Lösen festsitzender Roststücke
- Erste-Hilfe-Set – rostige Metallkanten können verletzen
- Tetanusschutz vorab überprüfen!
Magnetstärke – Empfehlungen nach Einsatzzweck
Sicherheit & Verhaltensregeln
Magnetangeln kann lebensbedrohlich werden – nicht nur durch Kampfmittel, sondern auch durch den Magneten selbst. Diese Regeln sollten Sie verinnerlicht haben, bevor Sie loslegen.
- Nichts anfassen, nichts transportieren – Munition kann noch aktiv sein!
- Sofort Polizei 110 anrufen und genauen Fundort beschreiben.
- Bereich weiträumig absperren und andere Personen warnen.
- Die Mitnahme von Kampfmitteln ist eine Straftat und kann Bußgelder bis 5.000 € nach sich ziehen.
Seil niemals am Körper befestigen
Das Seil immer an einem festen Objekt (Geländer, Poller) sichern – niemals am Handgelenk oder Körper. Bei einem schweren Fund kann der Zug erheblich werden und Verletzungen verursachen.
Umfeld beobachten beim Auswerfen
Vor jedem Wurf Umgebung prüfen: Fußgänger, Radfahrer, Boote, Angler. Der Magnet hat beim Auswerfen erhebliche Schlagkraft. Besonders an belebten Brücken äußerste Vorsicht walten lassen.
Handschuhe immer tragen
Rostige Metallkanten können tiefe Schnittwunden verursachen. Prüfen Sie Ihren Tetanusschutz vor dem ersten Ausflug. Handschuhe schützen auch vor dem Scheuern des Seils.
Magneten korrekt lagern und transportieren
Neodym-Magnete in einer Schutzbox transportieren. Sie können sich unkontrolliert an Fahrzeugteilen, anderen Metallgegenständen oder einer zweiten Magnetangel verhaken – mit erheblicher Verletzungsgefahr.
Magneten seitlich lösen – nie frontal ziehen
Wenn der Magnet festsitzt: seitlich schieben, nicht frontal ziehen. Die seitliche Scherkraft beträgt nur ca. 15 % der direkten Haftkraft. Bei hartnäckigen Fällen um Hilfe bitten.
Schutzzeiten einhalten
Während der Laichzeit von Fischen (Oktober–Mai) und der Brutzeit von Vögeln am Ufer Magnetangeln möglichst unterlassen. Es drohen ökologische Schäden und mögliche Ordnungswidrigkeiten.
Alle Funde mitnehmen und entsorgen
Kein Fund darf am Ufer liegengelassen werden. Schrott gehört in den Wertstoffhof, nicht zurück ins Wasser. Dieses Gebot ist ungeschriebenes Ehrengesetz der Magnetangler-Community.
Herzschrittmacher – Abstand halten!
Personen mit Herzschrittmacher oder anderen elektronischen Implantaten müssen einen Mindestabstand von mindestens 20–30 cm zum Magneten einhalten. Neodym-Magnete beeinflussen medizinische Geräte stark.
Häufig gestellte Fragen
Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Magnetangeln in Deutschland.